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KI-gestützte Frühwarnsysteme: Balance zwischen Sicherheit und Alarmmüdigkeit

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Rainer Planinc
Beiträge: 2
Mitglied
Themenstarter
 

Hallo zusammen, 

 

In der Praxis zeigt sich immer wieder, dass viele kritische Situationen bereits beim Querbettsitzen oder beim nächtlichen Aufstehen erkannt und durch frühzeitige Alarmierung noch vor einem Sturz verhindert werden können. 

 

Unsere Lösung setzt genau hier an: Sie soll solche Situationen frühzeitig erkennen und präventiv abfangen, um Stürze zu reduzieren und Pflegekräfte im Alltag zu unterstützen. 

 

Dabei stellt sich für uns immer wieder eine zentrale Praxisfrage: 

 

Ab welchem Punkt ist eine Alarmierung wirklich hilfreich und ab wann wird sie zur zusätzlichen Belastung? 

 

Dieser Sweet Spot zwischen notwendiger, frühzeitiger Prävention und Alarmmüdigkeit im Pflegealltag beschäftigt uns sehr. 

 

Mich würde daher eure Erfahrung interessieren: 

 

Welche Rahmenbedingungen (z. B. Tageszeit, Personalsituation, Bewohnerprofil) sind aus eurer Sicht am relevantesten, um zu beurteilen, ob frühe Hinweise im Alltag unterstützen oder eher belasten? 

 

Ich freue mich auf eure Perspektiven und Erfahrungswerte. 

 

LG 

Rainer Planinc (CEO von cogvis) 


 
Veröffentlicht : 19. Januar 2026 11:38
Josef Huber
Beiträge: 15
Mitglied
 

Lieber Rainer,

hier ganz kurz eine Positive Erfahrung zu einer Herdabschaltung [1], die das konzeptionell sehr gut gelöst hatte:

Unbedingte Alarme bzw. Abschaltungen wurden immer umgesetzt, wenn Rauch am Deckensensor war.

Vorwarnungen konnten selbst bestimmt eingestellt werden

1) Frühzeitige Vorwarnung - sinnvoll wenn ich eine grosse Wohnung (oder schlechte Mobilität habe)

2) mittlere Vorwarnung

3) Kurzfristige Vorwarnung - Sinnvoll wenn ich kurze Wege (oder gute Mobilität habe)

 

Was mich an dem Ansatz begeistert ist, dass ich es selbst in der Hand habe. Das bedeutet, dass ich (zumindest in der Theorie) WEISS, dass ich etwas verändern kann. Und ich weiss, dass ich etwas anpassen kann.

 

Für Cogvis ist das jetzt nicht ganz so trival (deshalb eröffnest Du ja den Diskurs) und ich kann da keine Antworten geben. Ich denke aber folgende Dimensionen könnten unterstützen:

1) Was MUSS systembedingt gemeldet werden - weil es zweifellos menschliche Intervention erfordert - diese "roten" Alarme machen nicht alarmmüde.

2) Was ist zweifellos nicht dringlich und kann als Information in andere Prozesse integriert werden (Schlafqualität in die Dokumentation, Nächtliche Unruhe als Hinweis für den nächsten Rundgang) etc. ("orange/grüne" Informationen)

3) Was ist im (technischen? operativen?) Graubereich und benötigt ggf. eine Individuelle Betrachtung --> Ich denke, das ist der wesentliche Punkt, um den es Dir geht. Hier sehe ich die Option einen (an Person und Schicht gebundenen - d.h. Flüchtigen) Mechanismus einzubauen - ggf. aber auch (Patienten/Bewohnerbezogenen) Mechanismus. Wichtig dabei ist meines Erachtens (rohe Gedanken):

Wie kann das "stummschalten" eines Alarms rückgängig gemacht werden?

Ein konzeptioneller Schlüssel dazu könnte die Begründung sein: Diesen Alarm schalte ich (=Verantwortung) für [Dauer] stumm, weil [Begründung]. Das würde die fachlich-professionelle Dimension in den Vorgergrund Stellen (nicht der operative teil der Alarmmüdigkeit) und könnte so die (auch juristische) Kontrolle zurückgeben.

Die Tageszeit und Personalsituation führen sicherlich zur Alarmmüdigkeit - aber das wären für mich Kontextfaktoren für mich nicht zu einer Begründung zur Stummschaltung eines Alarms führen dürfen. Denn die Frage, ob ein Alarm relevant ist oder nicht, klärt sich an anderer Ebene.

 

 

Herzliche Grüsse

Josef

 

 

[1] leider nicht mehr verfügbar: https://wiqqi.ch/solution/ssm220

 


 
Veröffentlicht : 14. Februar 2026 11:50