Wie weit ist die Digitalisierung in der Gesundheits-, Pflege- und Rehaversorgung tatsächlich angekommen? Welche Lösungen funktionieren bereits im Alltag – und wo scheitert die Umsetzung noch an Strukturen, Geschäftsmodellen, Akzeptanz oder ganz praktischen Fragen?
Genau diese Spannweite stand im Mittelpunkt der Praxiskonferenz 2026 von DigiHCA und Telemed Austria am 15. Oktober 2026 an der Fachhochschule Wiener Neustadt.
Mit 106 Teilnehmer, 14 Vorträgen, 3 Sessions, 3 Gesprächsrunden und 6 Aussteller brachte die Veranstaltung Expert aus Forschung, Versorgung, Pflege, Therapie, Recht, Wirtschaft und Technologie zusammen.
Zwischen Zukunftstechnologie und Versorgungsrealität
Die Themen reichten vom European Health Data Space (EHDS) über digitale Gesundheitsanwendungen, Teletherapie und neue Geschäftsmodelle bis hin zu sehr konkreten Herausforderungen im Versorgungsalltag.
Gerade dieser Kontrast prägte die Konferenz: Auf der einen Seite stehen neue technologische Möglichkeiten und Zukunftsbilder wie Robotik, datenbasierte Versorgung und digitale Therapien. Auf der anderen Seite stellen sich in Einrichtungen oft sehr grundlegende Fragen: Wie erhalten Bewohner Zugang zu digitalen Geräten? Wer unterstützt bei der Bedienung eines Tablets? Welche Kompetenzen braucht das Personal? Und wie gelingt Akzeptanz bei Patient, Bewohner und Angehörigen?
Diese Verbindung aus strategischer Perspektive und Realitätscheck machte den besonderen Charakter der Praxiskonferenz aus.
Keynote: Sechs Jahre DiGA in Deutschland
In ihrer Keynote gab Barbara Focke von Oviva einen praxisnahen Einblick in die Erfahrungen mit digitalen Gesundheitsanwendungen in Deutschland.
Sechs Jahre DiGA zeigen mittlerweile deutlich, welche Faktoren für eine erfolgreiche Integration digitaler Angebote in die Versorgung entscheidend sind – und wo weiterhin Herausforderungen bei Nutzung, Implementierung, Finanzierung und Skalierung bestehen.
Von eHealth-Strategie bis European Health Data Space
Weitere Beiträge widmeten sich der österreichischen eHealth-Strategie, dem European Health Data Space, neuen Ansätzen der digitalen Kommunikation und konkreten Erfahrungen aus Leit- und Praxisprojekten.
Dabei wurde deutlich, dass die Digitalisierung der Versorgung nicht allein eine technologische Aufgabe ist. Ebenso wichtig sind rechtliche Rahmenbedingungen, nachhaltige Geschäftsmodelle, Finanzierung, Interoperabilität, Akzeptanz und die Integration in bestehende Versorgungsprozesse.
Realitätscheck am Nachmittag
Während der Vormittag stärker von strategischen und übergeordneten Fragestellungen geprägt war, stand am Nachmittag die praktische Umsetzung im Vordergrund.
In zahlreichen Praxisprojekten wurde diskutiert:
- Was funktioniert heute bereits?
- Welche Lösungen schaffen tatsächlich einen Mehrwert für Patient, Angehörige oder Gesundheitsberufe?
- Wo liegen Barrieren bei Implementierung und Skalierung?
- Welche Geschäftsmodelle können langfristig tragen?
- Wie werden aus Forschungs- und Pilotprojekten nachhaltige Versorgungsangebote?
Gerade der Vergleich sehr unterschiedlicher Anwendungen zeigte die Bandbreite der Herausforderungen: von Teletherapie und digitalen Gesundheitsanwendungen bis zu scheinbar einfachen Fragen wie Gerätezugang, Bedienbarkeit und Akzeptanz eines Tablets im Seniorenheim.
Breite Perspektiven und neue Teilnehmer
Besonders erfreulich war die Vielfalt der Teilnehmer.
Neben Vertreter aus Forschung, Medizin, Pflege und Therapie nahmen auch Jurist, Start-ups, etablierte Unternehmen, Versicherungen, Praxisprojekte und berufsbegleitende Studierende teil.
Damit entstand ein Austausch über klassische Fachgrenzen hinweg. Gerade diese Mischung ermöglichte Diskussionen, die technologische Potenziale ebenso berücksichtigten wie regulatorische, wirtschaftliche und praktische Rahmenbedingungen.
Die hohe Qualität der Beiträge und Gesprächsrunden brachte zahlreiche neue Informationen und Perspektiven. Gleichzeitig blieb ausreichend Raum für einen kritischen Blick auf die Frage, welche digitalen Lösungen in der täglichen Versorgung tatsächlich funktionieren.
Danke für die Unterstützung
DigiHCA und Telemed Austria bedanken sich bei allen Teilnehmer, Vortragenden, Diskutant, Aussteller und Partnerorganisationen.
Ein besonderer Dank gilt dem Team der Fachhochschule Wiener Neustadt für die Zusammenarbeit und Unterstützung vor Ort.
Ebenso bedanken wir uns beim Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur, bei der FFG Austrian Research Promotion Agency sowie bei ecoplus. Niederösterreichs Wirtschaftsagentur GmbH für die freundliche Unterstützung der Veranstaltung.
Präsentationen und Fotos
Präsentationen der Praxiskonferenz 2026:
Fotogalerie / Veranstaltungsfotos:
Fazit
Die Praxiskonferenz 2026 hat einmal mehr gezeigt: Die zentrale Frage ist längst nicht mehr, ob digitale Technologien eine Rolle in Gesundheit, Pflege und Rehabilitation spielen werden.
Entscheidend ist, wie sie so umgesetzt werden können, dass sie im Versorgungsalltag tatsächlich funktionieren.
Dazu braucht es den Austausch zwischen Forschung, Versorgung, Technologie, Politik und Wirtschaft – und genau dafür bietet die Praxiskonferenz eine Plattform.